Die Genisa Veitshöchheim


Reste von etwa 2500 bis 3000 Texten lagen im Dachboden der Veitshöchheimer Synagoge
Die frühesten Drucke stammen aus dem 16. Jahrhundert (z.B. Krakau 1991, Venedig 1593). Der Umfang der untersuchten Fragmente reicht von fragmentarisch erhaltenen Einzelblättern (Papierfetzen) bis zu nahezu vollständigen Büchern von mehreren hundert Seiten. In über 90% der Fälle fehlen die ersten und letzten Blätter des Drucks, so dass eine Einordnung des jeweiligen Fragments nur durch den Vergleich mit anderen Exemplaren möglich ist.

Die hebräischen Fragmente umfassen vor allem die Bereiche Bibel (Tora (5 Bücher Moses), Haftaroth (Propheten) und Megilloth (5 bibl. Bücher, die an bestimmten Festtagen gelesen werden), Liturgie und talmudische Literatur. Gebetbücher, darunter etwa 400 Fragmente des Sidur Sefat Emeth, eines häufig gedruckten Gebetbuches des 19. Jahrhunderts, bilden die mit Abstand größte Gruppe der hebräischen Funde. Daneben gibt es aber auch Drucke aus einer Prager Druckerei um 1660 oder aus Fürth aus dem Jahr 1759.

Wesentlich abwechslungsreicher erweist sich der Bestand der jiddischen Literatur in der Veitshöchheimer Genisa. Die Texte reichen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Die ältesten Zeugnisse sind ein Krakauer Druck der „Religionsgespräche (Schevet Jehuda)“ von Salomo ibn Vergas aus dem Jahr 1591 und ein venezianischer Druck eines Minhagim-Buches (religiöse Bräuche) aus dem Jahr 1593. Einen großen Teil der jiddischen Literatur nehmen Bibelübersetzungen (Tsenne Renne), Minhagim- und Mussarbücher (Moralisches) ein, daneben Gebetbücher aller Art, darunter auch spezielle Frauengebetbücher. Wichtige jiddische Texte der Veitshöchheimer Genisa stammen aus dem Bereich der jiddischen Erzählliteratur. Es sind Fabeln, Legenden, Geschichtswerke, Novellen und kurze Prosa. Bekannte Beispiele aus der Veitshöchheimer Genisa etwa ist das bis dahin unbekannte Märchen vom Fischersohn, dessen Inhalt später von den Gebrüdern Grimm in dem Märchen „Der König vom goldenen Berg“ verarbeitet wurde, weiterhin Übersetzungen von Geschichten aus 1001er Nacht oder die Lebensbeschreibung des Prinzen Eugen.

Neben den Druckwerken, zu denen noch Buchstabiertafeln, Lehrbücher der hebräischen Sprache, Taschen- und Wandkalender gerechnet werden müssen, auch Texte in deutscher Sprache (Zeitungen), gibt es auch einen größeren Teil handschriftlicher Texte. Diese sind bisher noch nicht bearbeitet, in der Mehrzahl handelt es sich um Briefe, rabbinische Gutachten, Quittungen, Rechnungen oder private Aufzeichnungen wie Notizbücher. Besonders originell sind 6 Lotto- oder Bingoscheine.

Auch noch hervorzuheben sind Textilien, darunter Reste von etwa 40 Torawimpeln. Diese bestickten Stoffbänder wurden aus den Beschneidungswindeln angefertigt, tragen den Namen des Kindes und Segenswünsche. Weiterhin gehören dazu Reste von Tefillinbeuteln (zur Aufbewahrung der Gebetsriemen), Gebetsmänteln, div. Kopfbedeckungen und Kleidungsstücken. Es wurden Reste von Tefillin und Tefillinkapseln gefunden, ein Schofarhorn oder Lulavringe, mit denen der Feststrauß am Laubhüttenfest zusammengebunden wurde.