Der gesamte Bestand des Genisafundes Urspringen, also alle Druck- und Manuskriptfragmente, Textilien und sonstigen Artefakte, wie sie das Spessartmuseum Lohr dem Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim zur Bearbeitung übergeben hatte, wurde verifiziert und katalogisiert.
Der Umfang der untersuchten Druckfragmente reicht von bruchstückhaft erhaltenen Einzelblättern bis zu halbwegs vollständigen Büchern von knapp hundert Seiten. In über 90 Prozent der Fälle fehlten die ersten und letzten Blätter des Drucks, also auch Titelblatt und Kolophon, so daß eine Verifizierung des jeweiligen Fragments zumeist äußerst schwerfällt und nur durch den Vergleich mit Exemplaren anderer Institutionen unter anderem mit dem Bestand des Veitshöchheimer Funds ermöglicht wurde.
Insgesamt wurden 805 neue Signaturen vergeben (L 1 bis L 805). Die hebräischen und jiddischen Druck- und Manuskriptfragmente umfassen Beispiele aus allen Bereichen der jüdischen Literaturgeschichte vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Der Bestand bestätigt die bisher gemachten Beobachtungen zu den Lesegewohnheiten der süddeutschen Landjüdinnen und -juden dieses Zeitraums. Aufsehenerregende Neufunde konnten vielleicht mit Ausnahme einer vollständig erhaltenen Maise aus einem ‚Tikkun Lejl Schawuot‘, die noch genauerer Analyse bedarf (L 352) hingegen nicht gemacht werden. Im einzelnen handelt es sich bei den Funden aus der Uspringer Genisa um folgende Artefakte:
Siddurim: 447 Fragmente des 18. und 19. Jhs., darunter z.B. Sulzbach, Seckel Arnstein, 1791 und 1802
Machsorim: 40 Fragmente des 18. und 19. Jhs.
Slichot: 10 Fragmente des 18. und 19. Jhs.
Techinnot: 43 Fragmente des 18. Und 19. Jhs., darunter z.B. Fürth, Chaim ben Zwi Hirsch, 1755, und Sulzbach, Seckel Arnstein, 1795
Tikkun Kriat Schma: 1 Fragment (Sulzbach, Arnstein und Söhne, 1826)
Tikkun Lejl Schawuot: 5 Fragmente des 18. und 19. Jhs.
Tikkun Lejl Hoschana Rabba: 2 Fragmente des 18. Jhs.
Haggadot schel Pessach: 3 Fragmente des 17. und 18. Jhs., darunter Prag, Bak, nach 1657 (zugleich das älteste verifizierbare Druckfragment)
Chumaschim: 18 Fragmente des 18. Jhs.
Tenach: 5 Fragmente des 18. und 19. Jhs.
Tehilim: 11 Fragmente des 18. und 19. Jhs.
Talmud Bawli: 4 Fragmente des 18. Jhs.
Sabbatai ben Mose Hakohen ‚Michat Kohen‘: 1 Fragment (Fürth, Chaim ben Zwi Hirsch, 1741)
Josef Karo und Mose Isserles ‚Schulchan Aruch‘: 1 Fragment des 18. Jhs.
Jakob ben Isaak aus Janowo ‚Zenne Renne‘: 20 Fragmente des 18. Jhs. , darunter zweimal Amsterdam, 1704
Ahron ben Mordechai aus Trebitsch ‚Mezach Ahron‘: 1 Fragment des 18. Jhs.
Simon Levi Ginzburg ,Minhagim‘: 3 Fragmente des 18. Jhs., darunter Homburg, Ahron Dessau, 1729
Zwi Hirsch ben Ahron Samuel Koidanower ‚Kaw ha-Jaschar‘: 3 Fragmente des 18. Jhs.
Binjamin Ahron Slonik ‚Mizwot ha-Naschim‘: 1 Fragment (Fürth, Isaak Zirndorffer, 1776)
Elchanan Henle Kirchhan ‚Simchat ha-Nefesch‘: 1 Fragment des 18. Jhs.
Mesusapergamente: 18 Signaturen mit z.T. mehreren Fragmenten
Tefillinpergamente: 22 Signaturen mit z.T. mehreren Fragmenten
Taschen- und Wandkalender: 58 Fragmente, 1. Hälfte des 19. Jhs., vornehmlich aus Sulzbach und Rödelheim, seltener aus Fürth
Buchstabiertafel: 1 Fragment
Handschriftliche Aufzeichnungen (Briefe, Briefentwürfe, Schreibübungen, Gebete): 23 Fragmente
Amulette: 3 Fragmente
Schulbuch: 1 Fragment des 19. Jhs.
Almanach: 1 Fragment des 19. Jhs.
Katholischer Katechismus: 1 Fragment des 19. Jhs., zur Tüte geklebt
Buchdeckel: 8 Fragmente
Textilien, Ritualien, Sonstiges
Tallit gadol: 3 Fragmente
Tallit katan: 10 Fragmente
Tefillinriemen: 1 mittlere Kiste
Tefillingehäuse: 1 kleine Kiste
Tefillinbeutel: 14 Signaturen mit z.T. mehreren Fragmenten
Tallitbeutel: 3 Fragmente
Zizit: 2 Fragmente
Arawot und Lulawim: 1 mittlere Kiste
Amulettbeutel: 2 Fragmente
Toramantel: 6 Fragmente
Toravorhang: 1 Fragment
Unbestimmbares: 2 Fragmente
Teile einer Sitzbank: 3 Fragmente
Steingewicht mit Strick: 1 Fragment
Eiserner Türbeschlag: 2 Fragmente
Taschenrechner: 1 Fragment
Lottoschein: 1 Fragment