Die Anlage des Gartens
Das Haupttor ist das Fasanentor im Süden, durch das man auf die Auffahrtsallee zur Löwentreppe und zur Schloßterrasse gelangt.

Der Garten besteht aus zwei Hauptteilen: dem Schloßparterre mit der dazugehörigen Auffahrtsallee und dem eigentlichen Heckengarten, der nicht am Schloß orientiert ist. Er wird durch nord-südlich verlaufende Wege in drei große Regionen unterteilt: die Wald-, die Lauben- und die Seenregion. Dazu kommt noch ein spitzwinkliger Gartenteil an der Ostseite des Parks, die sog. Dreieckszone.

Über eine von zwei Sphingen geflankte Treppe an der Südseite der Schlossterrasse gelangt man in den Fichtengang, der die Wald- von der Laubenzone trennt. Östlich dieses Fichtengangs erstreckt sich die Waldregion mit einem Naturtheater, einem Irrgarten, der schon im späten 18. Jahrhundert zugewachsen ist, den beiden chinesischen Pavillons, dem Fabelring und dem Lindensaal. Schattige Wege führen in die dunklen Teile des Gartens, wo Tierfiguren und Fabelszenen oder im Verborgenen sprudelnde Quellen immer wieder die Natur in all ihren Formen symbolisieren.

Eng mit der Waldregion verbunden ist die sogenannte Dreieckszone, die sich allmählich nach Süden erweitert. Den großartigen Abschluss des Weges bildet im Süden das Grottenhaus von Materno Bossi.
In ost-westlicher Richtung stand die Kaskade am Ende der Achse, die vom Großen See über das Rondell nach Osten verläuft. Die Kaskade war eine künstliche Fels- und Nischenarchitektur mit Darstellungen des Meeresgottes Poseidon, der Göttin der Jagd, Artemis, und anderer Naturwesen. Die Skulpturen schuf der Hofbildhauer Johann Peter Wagner nach 1771. Das eindrucksvolle Monument wurde 1945 zerstört.

Der großartige Mittelpunkt der mittleren Zone, der Laubenregion, ist das große Rondell, das einem Festsaal in der Natur gleicht. An das Rondell schließen sich in beiden Richtungen Heckensäle, Pavillons, kleine Kabinette an. Sie sind durch Heckengänge, die ursprünglich als berankte Holzlauben gestaltet waren, miteinander verbunden und kleine, fensterartige Einschnitte geben immer wieder den Blick auf andere Gartenregionen frei.

Der plastische Schmuck der mittleren Region und vor allem des großen Rondells entstammt im Vergleich zur Waldregion einer ganz anderen Welt: es sind vor allem Personen aus dem damaligen täglichen Leben, die hier von dem böhmischen Bildhauer Ferdinand Tietz geschaffen wurden: Tänzer, Musikanten, Dienerfiguren. Dazwischen stehen am großen Rondell die Personifikationen der vier Erdteile, am Eingang zum Rondell Athena und Herakles.

Die größte der drei Regionen ist im Westen die Seenzone. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand der Große See als prägendes Merkmal der Gartenanlage. Weiträumig öffnet sich der Seenbereich und man tritt aus Wald- und Laubengängen über in einen hellen, lichtdurchfluteten übersichtlichen Bereich.

Eindrucksvoll erhebt sich aus dem See ein zerklüfteter Felsen - der Parnass, auf dem sich die neun Musen mit ihrem Anführer, dem Leier spielenden Apollon versammelt haben. Von der Spitze des Berges steigt das einstmals vergoldete, geflügelte Dichterross Pegasus in den Himmel, um allen von der Ankunft einer neuen Weltordnung im Zeichen der Wissenschaft und Kunst zu verkünden.

Die drei Regionen können mit drei Entwicklungsstufen gleichgesetzt werden: Vergangenheit (Natur), Gegenwart und Zukunft (Kultur). Während in der naturhaften Waldregion auf die Natur in ihrer ursprünglichen Form Bezug genommen wird, weist in der Laubenregion vieles auf die Zeit des Fürstbischofs selbst hin. Die Seenzone dagegen öffnet den Blick in eine ideale Zukunft, in der die Welt regiert wird von dem Sonnengott Apoll mit seinen Begleiterinnen, den neun Musen. Der Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim trug mit seinen Bildhauern, Gärtnern und Künstlern dazu bei, eine solche Welt im Hofgarten von Veitshöchheim entstehen zu lassen.